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Grundfragen der Volkswirtschaftslehre

Eine Linkweitere Beschreibung der Volkswirtschaftslehre liefern ihre so genannten "Grundfragen". Sie werden auch die "Großen W" der Volkswirtschaftslehre genannt. Je nachdem, wie fein man die Fragen gliedert, handelt es sich dabei um drei, fünf oder sogar noch mehr große W.

Die Grundfragen lauten

  1. Was wird produziert?
  2. Wie wird produziert?
  3. Für Wen wird produziert?

Das letzte große W ist zwar eigentlich ein kleines, aber die "Drei Großen W" prägen sich als markanter Begriff natürlich gut ein.

Die beiden ersten Grundfragen betreffen die Allokation von Gütern, die dritte Grundfrage die Distribution (Verteilung).

Der Begriff Allokation ist ein "Erfahrungswort", das man im Laufe der Zeit besser verstehen lernt. Seine Bedeutung über eine Definition zu erfassen, ist schwierig, dennoch wollen wir es versuchen:

Allokation meint sowohl den Zustand als auch den Prozess, wie Güter Verwendungen zugeordnet sind oder werden.

Auch hier ist der Güterbegriff wieder in einem weiten Sinn zu verstehen. Eine (berufliche) Position (die man erreichen möchte) ist zum Beispiel ebenso ein Gut wie eine Massage, ein Stück Butter, eine Schraube, ein Reifen oder ein Hundert-Euro-Schein.

Sehen Sie sich einmal nach einer beliebigen Schraube in Ihrer Nähe um. Vielleicht entdecken Sie eine Rädelschraube an der Abdeckung Ihres Computers? Welcher Mechanismus hat die Schraube in eben diese Verwendung gelenkt?

Man kann auch fragen, welcher Allokationsmechanismus hier ausschlaggebend war. Es war sicher ein anderer Mechanismus als jener, der dem Bundespräsidenten sein Amt verschafft hat (Wahlmechanismus), mit dem es Bonnie und Clyde zumindest vorübergehend zu einem Vermögen gebracht haben (Raub), mit dem ich nächste Woche im Lotto gewinnen werde (Zufall), mit dem in Deutschland Löhne bestimmt werden (Verhandlungen) oder mit dem der Vorgesetzte ein schöneres und größeres Büro bekommt als der Untergebene (Hierarchie). Es war mit hoher Wahrscheinlichkeit der Markt- oder Preismechanismus, der die Schraube in ihre Verwendung gelenkt hat. Hätte sie auch nur einen etwas höheren Preis gehabt, wäre ihr Platz vermutlich von der Schraube eines anderen Herstellers eingenommen worden.

Alle diese Mechanismen, die Güter in ihre Verwendungen lenken, heißen Allokationsmechanismen. Sie erfüllen ihre Aufgabe unterschiedlich gut. Sie sind unterschiedlich effizient. Es gibt aber nicht einen besten Mechanismus. Mal eignet sich der eine besser, mal der andere. Es kommt ganz darauf an, welche Kriterien man anlegt und um welche Aufgabe es geht.

Nehmen wir zum Beispiel das Amt eines Ministerpräsidenten. Hier besteht offensichtlich ein Grundkonsens (jedenfalls in Deutschland), dass dieses Amt per Wahl zu vergeben ist. Das ist aber nicht "denknotwendigerweise" so. Eine Alternative bestünde darin, das Amt zu versteigern. Wer den größten Betrag in die Landeskasse zahlt, darf es für die nächsten fünf Jahre einnehmen.

Oder stellen Sie sich einmal vor, Zensuren in Klausuren werden nicht nach Leistung vergeben, sondern auch hier führten wir einen Marktmechanismus ein. Das empfänden wir zwar als ungerecht, aber es ist schon nicht mehr ganz so abstrus wie das Ministerpräsidenten-Beispiel. Es ist durchaus eine Frage des Geldes, ob und welchen Hochschulabschluss man erreicht. Wenn man es auch nicht auf einzelne Noten beziehen kann, so wird es sich kaum leugnen lassen, dass zwischen finanziellem Einsatz und "Qualität des Hochschulabschlusses" ein Zusammenhang besteht.

In vielen Bereichen funktioniert der Markt- und Preismechanismus aber ausgesprochen gut - vor allem, wo es weniger auf Gerechtigkeit ankommt. Wenn es darum geht, den komplexen volkswirtschaftlichen Produktions- und Verteilungsprozess von Gütern zu organisieren, existiert zum Marktmechanismus keine ernsthafte Alternative. Und das Beste ist: Der Mechanismus funktioniert von ganz allein. In der Regel liefert er den Wirtschaftssubjekten Anreize, sich so zu verhalten, dass nicht nur für den Einzelnen, sondern für die Gesellschaft insgesamt ein bestmögliches Ergebnis zustande kommt: "It is not from the benevolence of the butcher, the brewer, or the baker that we expect our dinner, but from their regard to their own interest" (Adam Smith, Wealth of Nations, 1723 - 1790).

Achtung!In der Regel funktioniert der Mechanismus so. Es gibt jedoch bestimmte Situationen, in denen der Markt als Alloaktionsinstrument versagt: LinkÖffentliche Güter, LnkExterne Effekte, Externer LinkMarktmacht und Informationsunvollkommenheiten.

Der Gegenspieler des Markt- und Preismechanismus war lange Zeit der Planmechanismus. Spätestens mit dem Zusammenbruch der sozialistischen Staaten spielt er volkswirtschaftlich außer in der Theoriegeschichte keine ernsthafte Rolle mehr. Während der Marktmechanismus auf dezentralen Entscheidungen aufbaut, vertraut man beim Planmechanismus auf eine zentrale Instanz (Planbehörde), die den Wirtschaftsprozess zu steuern versucht.

Halten wir fest:

Der Markt- und Preismechanismus ist einer von vielen Allokationsmechanismen, der Güter in ihre Verwendungen lenkt.

Die drei Grossen WDie dritte Grundfrage adressiert die Verteilung. Wer erhält letztendlich die Güter? Sprich: Wer bekommt welchen Teil vom Kuchen?

Bei dieser Frage kommt sofort der Gerechtigkeitsaspekt ins Spiel. Es liegt auf der Hand, dass die Meinungen dazu auseinander gehen. Zu Fragen der Allokation kann die Volkswirtschaftslehre deutlich mehr an gesichertem Wissen beisteuern, als zu Fragen beüglich der Distribution.

Bleibt noch die Frage, wie aus den "3 Großen W" fünf oder mehr werden. Ganz einfach. Die Frage "Wie wird produziert" wird in Teilaspekte aufgegliedert in "Was wird produziert?", "Wo wird produziert?" und "Wann wird produziert?". Schon sind "5 Große W" entstanden.

 


Lesen Sie auch: LinkGegenstand der Volkswirtschaftslehre, LinkMethode der Volkswirtschaftslehre.

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